1. Beerenflurgang Ostschweiz – Besuch auf dem Winderhof in Dornbirn
Am 8. April 2025 führte der Beerenflurgang erstmals über die Landesgrenze nach Dornbirn. Gemeinsam mit der St. Galler Beerenvereinigung besuchte Bio‑Ostschweiz den Winderhof, einen vielseitigen Biobetrieb in Vorarlberg.
Nach einer Einführung durch Bio Austria Vorarlberg präsentierte der Betrieb seine breit aufgestellte Produktion:
- rund 20 Hektaren Obst‑ und Gemüsebau in naturnaher Wirtschaftsweise
- umfangreiche Direktvermarktung
- hofeigene Manufaktur für Sirup, Marmelade, Kompott, Essig und Dörrobst
- 12 Erdbeersorten sowie Tunnel und Vlies zur Saisonverlängerung
Der Winderhof betreibt zudem ein architektonisch ausgezeichnetes Studentenhaus mit 18 Plätzen – ein Beispiel für die innovative und vielseitige Ausrichtung des Betriebs.
Der Anlass endete mit einem gemütlichen Apéro im Stadel, begleitet von angeregten Gesprächen. Bio‑Ostschweiz und die St. Galler Beerenvereinigung danken herzlich für die Gastfreundschaft und die grosse Teilnahme.
2. Bio‑Beerenmorgen – Entwicklungen und Herausforderungen im Bio‑Beerenanbau
Der Bio‑Beerenmorgen bot auch 2025 einen umfassenden Überblick über die Situation der Biobeerenbranche. Fachpersonen aus Praxis, Beratung und Forschung beleuchteten aktuelle Trends und Herausforderungen.
2.1 Marktentwicklung
Sabine Haller (Bio Suisse) zeigte auf:
- Die Biobeerenfläche in der Schweiz wuchs um 12 Hektaren.
- Besonders Heidelbeeren und Cassis legten zu.
- Die Bio‑Heidelbeerproduktion erreichte 216 Tonnen – rund 80 Tonnen mehr als in den Vorjahren.
- Ab Anfang August besteht zusätzliches Absatzpotenzial, jedoch steigt dann der Druck durch die Kirschessigfliege (KEF).
- Bei den Bio‑Erdbeeren führte die regenreiche Hauptsaison zu 40 Tonnen weniger Ertrag.
- Chancen bestehen im frühen und späten Marktsegment, allerdings mit höheren Risiken und Investitionen.
2.2 Forschung: Mikroorganismen als Biokontrollmittel
Elisabeth Eugster präsentierte ein Forschungsprojekt zur Bekämpfung von Graufäule:
- 136 Bakterienstämme wurden aus drei Erdbeersorten isoliert.
- Ein Stamm zeigte im Labor eine sehr starke Hemmung von Graufäule.
- Im Freiland waren die Effekte jedoch deutlich schwächer.
Die Forschung bestätigt das Potenzial von Mikroorganismen, zeigt aber auch, dass deren Praxisanwendung weiterentwickelt werden muss.
2.3 Praxis: Herausforderungen im Bio‑Beerenanbau
Ramon Staubli (Muri AG) schilderte die Realität der Produzenten:
- zunehmende Wetterextreme
- Klimaveränderungen
- Richtlinienanpassungen, die Kosten erhöhen
- generell steigende Produktionskosten
Diese Faktoren prägen die Zukunft der Branche und verlangen hohe Anpassungsfähigkeit.
2.4 Biologische KEF‑Bekämpfung
Lukas Seehausen (CABI) berichtete über Fortschritte bei der biologischen Kontrolle der Kirschessigfliege:
- Die asiatische Schlupfwespe Ganaspis kimorum wurde 2023 und 2024 im Jura und Tessin freigelassen.
- Eine erfolgreiche Überwinterung wurde im Jura nachgewiesen.
- Die ebenfalls nützliche Art Leptopilina japonica wurde in beiden Regionen gefunden.
Beide Arten könnten langfristig zur Reduktion der KEF‑Population beitragen. Die lebhafte Diskussion zeigte die hohe Relevanz des Themas für die Betriebe.
Die beiden Anlässe haben eindrücklich gezeigt, wie lebendig, vielfältig und zukunftsorientiert die Bio‑Beerenbranche in der Ostschweiz aufgestellt ist. Ob beim Blick über die Landesgrenze nach Dornbirn oder beim Austausch am Bio‑Beerenmorgen – überall wurde spürbar, wie stark das Engagement der Produzentinnen und Produzenten, der Forschung und der Beratung ist.
Die Herausforderungen bleiben anspruchsvoll, doch die Offenheit für Innovation, der Wille zur Zusammenarbeit und die stetige Weiterentwicklung geben der Branche Rückenwind. Bio‑Ostschweiz Beeren blickt mit Zuversicht auf die kommenden Jahre und dankt allen Beteiligten für ihren Beitrag zu einer nachhaltigen, regional verankerten Beerenproduktion.



