Bio-Wintertagung – vielseitiges Programm

Am 12. Februar fand am Arenenberg die jährliche Wintertagung des Bio-Obstbau-Rings Ostschweiz statt. Das vielseitige Programm lockte rund 40 Teilnehmende an. Die Stimmung war ausgelassen und es gab neben den Vorträgen einen regen Austausch unter den Besuchern.
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Jörg Streckeisen, der Obmann des Bio-Obstrings, eröffnete die Tagung. Anschliessend berichtete Peter Heyne, Berater aus der Esteburg, in einem Onlinevortrag aus dem Alten Land über die Erfahrungen mit der Birnensorte Xenia®, die dort seit über zwölf Jahren in der Sortenprüfung und auf Betrieben beobachtet wird. Die Sorte gilt als schorfrobust; im Alten Land sind erst im Jahr 2025 erste Schorfflecken aufgetreten. Da sie früh und lange blüht, ist sie tendenziell anfällig für Schädlinge wie die Birnengallmücke und die Birnensägewespe. Bislang sind keine Unverträglichkeiten mit biologischen Pflanzenschutzmitteln bekannt, was auch ein wichtiges Kriterium für die Produzenten ist. Aus der Erfahrung im Alten Land ist Xenia® auf 10–20 % Bestäuberbäume angewiesen, um ihr Ertragspotenzial jedes Jahr sicher zu erreichen. Sie kommt spät in den Ertrag, kann dann aber hohe Erträge erzielen. Peter Heyne empfiehlt, Xenia® immer mit Zwischenstamm zu pflanzen, um Affinitätsprobleme sicher zu vermeiden.

Den zweiten Vortrag hielt Johannes Bentele aus Tettnang (Deutschland), der seinen Apfel- und Hopfenbetrieb vorstellte. Sein Vater stellte bereits im Jahr 1984 auf Bio um und die Produkte werden grösstenteils selbst vermarktet. Der Hopfen wird europaweit direkt an Brauereien und Herstellern von Medizinprodukten geliefert. Aufgrund des sinkenden Bierkonsums ist der Absatz von Hopfen jedoch schwieriger geworden, was den Betrieb vor Herausforderungen stellt.

Zum Schluss erläuterte Johannes Bentele noch seine Erfahrungen mit dem Bau eines Bewässerungsteiches. Clémence Boutry, die seit 2019 am FiBL (Forschung für biologischen Landbau) im Bereich Obstbau forscht, stellte die neuesten Erkenntnisse zur Regenflecken-Krankheit vor. Die Krankheit tritt immer häufiger auf und stellt in manchen Jahren eine Herausforderung dar, da direkte Bekämpfungsmassnahmen manchmal allein nicht ausreichen. Der Krankheitskomplex besteht aus 100 verschiedenen Pilzarten, die saprophytisch leben und keine Stoffwechselprodukte vom Apfel benötigen, um zu überleben. Von Regenflecken sind nicht nur Äpfel, sondern auch Heidelbeeren, Hundsrose, Kürbis, Wildapfel, Pflaume, Quitte und viele andere Arten betroffen. Die Äpfel werden während der gesamten Fruchtentwicklung befallen. Von allen biologischen Pflanzenschutzmitteln wirkt die Kombination aus Kaliumhydrogencarbonat und Schwefel am besten. In einer Baumanlage gibt es unten mehr Befall als oben, da es dort feuchter ist.

Vor dem Mittagessen berichtete Ernst Graf von Bio Inspecta, welche Unklarheiten bei Kontrollen auf Biobetrieben häufig auftreten und welche Änderungen ab 2026 im Reglement für Bio-Obstbaubetriebe gelten. Eine wichtige Änderung ist, dass es keine Ausnahmeregelung mehr für fünf nicht biologische Hochstammobstbäume gibt.

Nach der Mittagspause gab Sabine Haller von Bio Suisse einen kurzen Einblick in die Arbeit der Fachgruppe Bio-Obst. Danach zeigte sie die neuesten Marktzahlen, darunter die neueste Flächenstatistik der Bioobstbauflächen. Matthias Schluchters, der am Kompetenzzentrum Obstbau im Fachbereich Ökologischer Obstbau arbeitet, erklärte den Lebenszyklus der Blutlaus und deren Gegenspieler. Die Blutlaus hat im Vergleich mit anderen Lausarten im Obstbau das grösste Vermehrungspotenzial, da sie mehr als zwölf Generationen in einem Jahr durchlaufen kann. In seinem Vortrag ging es hauptsächlich darum, welche Nützlinge gegen die Blutlaus wann in der Saison auftreten und wie man sie fördern kann. So tritt beispielsweise der Vierfleckige Kugelmarienkäfer schon vor der Blüte auf, wobei vor allem seine Larven gerne und viele Blutläuse vertilgen. Matthias Schluchters stellte Versuchsresultate von mehreren Jahren vor und kam zu der Erkenntnis, dass sich die Blutlaus nicht jedes Jahr zuverlässig mit biologischem Pflanzenschutzmittel bekämpfen lässt. Zum Schluss berichteten Andrea Marti und Sonja Züst über die aktuellen Themen aus der Beratung vom Arenenberg.

Bild: von links nach rechts, Referenten: Matthias Schluchters (KOB), Jörg Streckeisen
(Obmann Bio-Obstbauring). Andrea Marti, Sonja Züst (Arenenberg), Johannes Bentele,
Sabine Haller (Bio-Suisse)

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