Die Mitglieder von Bio Ostschweiz sind mehrheitlich gegen ein Stimmrecht von Verbänden. Sie wiesen eine Statutenänderung an den Vorstand zurück.
Text und Bilder: Stefanie Giger
Die Hauptversammlung von Bio Ostschweiz, der Mitgliederorganisation der Thurgauer und St. Galler Biobauern und -bäuerinnen, war am Dienstag sehr gut besucht. «Womöglich liegt es am Wetter oder dass es in den Feldern zu nass ist», sagte Peter Schweizer. Womöglich lag es aber auch am Versammlungsort, die HV fand in der Tiefenmühle in Herdern statt. Auf 13 ha bauen Marlene und Marc Nyffenegger Speisehanf, Ackerbohnen und Hafer als Mischkultur, Linsen und Leindotter als Mischkultur sowie Speisemais, Hafer und Speisegerste an. Nebst den eigenen Kulturen reinigen und schälen sie in ihrer Spezialmühle für andere Betriebe und Marktteilnehmer wie Biofarm Getreide, Pseudogetreide, Ölsaaten und Eiweissfrüchte. Seit dem 1. Januar ist der Betrieb Knospe-zertifiziert.
Wer teilnimmt, kann mitbestimmen
Die beiden Co-Präsidenten Martin Harder (SG) und Peter Schweizer (TG) führten zügig durch die Versammlung. Harder erwähnte in seinem Rückblick speziell die neue Website, den Olma-Auftritt und den Biomarkt Weinfelden. Er gab seiner Freude Ausdruck, dass die Lebensmittelschutz-Initiative mit 133 000 Unterschriften zustande gekommen ist: «Die Schweiz braucht klare Regeln für die Gentechnik.» Schweizer wies darauf hin, dass der Vorstand sich eine grosse Beteiligung an den Basisabenden wünscht. «Dort entscheidet sich, wie wir uns für die Geschäfte für die Bio-Suisse-Delegiertenversammlungen positionieren.»
Stimmrecht nur für Bioproduzenten
Für weitaus am meisten «Zündstoff» sorgte eine geplante Statutenänderung. Unbestritten war, dass Imker «ohne eigene Landfläche» Mitglied werden können. Hingegen kam die zweite Änderung, dass auch Lizenznehmende Mitglied von Bio Ostschweiz werden könnten, gar nicht gut an. «Nur diejenigen, die einen engen Bezug zur inländischen Bioproduktion haben», erläuterte Peter Schweizer die Haltung des Vorstands. Damit war kaum jemand einverstanden, die Wortmeldungen aus der Versammlung waren alle gegen eine Mitgliedschaft von Lizenznehmenden, auch nicht von Kleinbetrieben. «Wenn diese ihre Leute für eine Versammlung mobilisieren, wird es schwierig. Durch gewisse Abhängigkeiten kannst du als Produzent nicht gleich auftreten», lautete eine Wortmeldung.
Claudio Gregori, Präsident von Bio Grischun, war der einzige Votant, der sich ausser dem Vorstand zustimmend äusserte. «Wir sehen es positiv, dass die Kleinbetriebe – im Bündnerland viele Käsereien – zu uns kommen wollen. Letztendlich haben sie eine Stimme von 1200.» Genau darin liege das Problem, vor allem für kleine Mitgliederorganisationen wie die ihre, entgegnete Anita Gstöhl von Bio Liechtenstein. Bei ihnen könnten Lizenznehmende Passivmitglied ohne Stimmrecht werden. Derselbe Antrag wurde auch für Bio Ostschweiz gestellt. Nach einer rund 30-minütigen Diskussion entschied Peter Schweizer, dass der Vorstand über die Bücher geht und diesen Punkt der Statutenänderung nächstes Jahr an der HV nochmal traktandiert.
Verdankt und verabschiedet
Zum Schluss folgten die Verabschiedungen. Verdankt wurden Jakob Rohrer, Gründungsmitglied des Biomarktes Weinfelden, sowie Monika Egli, ehemaliges Vorstandsmitglied und ebenfalls langjährige Mitorganisatorin des Biomarktes. Verabschiedet wurden auch Stephanie Biderbost, FiBL-Mitarbeiterin und Beraterin Biolandbau am Arenenberg, und Barbara Oppliger, URS Bio Suisse.
Ohne Bio-Suisse-Gelder keine Teilnahme an der Olma
Kassier Melchior Knaus präsentierte die Jahresrechnung, die mit einem Defizit von Fr. 23 000.– abschloss. Mit ein Grund waren die Kosten für die neue Website. Hingegen konnte der Verein bei den Mitgliedern erneut zulegen, inzwischen sind es 800, wodurch auch die Mitgliederbeiträge zunahmen. Das Budget 2026 sieht wiederum einen Verlust vor, was laut Knaus angesichts des Eigenkapitalbestands verkraftbar sei. Knaus hielt aber fest: «Ab 2027 soll die Rechnung ausgeglichen sein.»
Zu reden gaben zwei Posten: Zum einen die Beiträge durch den St. Galler Bauernverband (SGBV), die von Fr. 9000.– auf Fr. 5000.– reduziert wurden. Laut SGBV-Vizepräsident Philipp Schönenberger, weil man bei allen Mitgliedsorganisationen (bspw. auch Culinarium) Leistungsvereinbarungen abschloss. Beim Auftritt an der Olma wurde kritisiert, dass Bio Suisse immer weniger Fördergelder spricht. «Sinkt der Beitrag unter Fr. 15 000.–, werden wir nicht mehr an der Olma teilnehmen», sagte Martin Harder. Diana Eggenschwiler, Bio Suisse, garantierte an der Versammlung, dass man den Olma-Auftritt von Bio Ostschweiz langfristig mit Fr. 15 000.–/Jahr unterstützen werde. Für den Biomarkt Weinfelden (Fr. 12 000.–) sowie für den Olma-Auftritt wird der Vorstand ab diesem Jahr Sponsoren suchen. Letztendlich wurden Rechnung, Budget und Jahresbeitrag (Fr. 50.–) von den Mitgliedern einstimmig angenommen.


